Blog  06.12.2017 - 17:01


Von Klonen und Mutanten. Wie führe ich 3D Druck im Unternehmen ein?

3D Druck – ist das was für mein Business? Es gibt sicher kaum einen Verantwortlichen in Service, Logistik und Produktion, der sich diese Frage noch nicht gestellt hat. Ja, wie steht’s denn nun mit dieser Technologie? Stefanie Brickwede, Geschäftsführerin vom Netzwerk Mobility goes Additive bei der Deutschen Bahn AG hat in ihrem Vortrag auf dem 37. KVD Service Congress einige Antworten geliefert.

3D Druck – ist das was für mein Business? Es gibt sicher kaum einen Verantwortlichen in Service, Logistik und Produktion, der sich diese Frage noch nicht gestellt hat. Ja, wie steht’s denn nun mit dieser Technologie? Und: Brauche ich einen gewissen Change in meiner Organisation, um 3D Druck auch etablieren zu können? Stefanie Brickwede, Geschäftsführerin vom Netzwerk Mobility goes Additive bei der Deutschen Bahn AG hat in ihrem Vortrag „Von Klonen und Mutanten. Wie führe ich 3D Druck im Unternehmen ein“ auf dem 37. KVD Service Congress einige Antworten geliefert.

Die Bahn nutzt den 3D Druck vor allem in der Ersatzteillogistik. Als die neue Technologie eingeführt werden sollte, besuchte das Team um Stefanie Brickwede die 40 wichtigsten der insgesamt 140 Werkstätten der Bahn in Deutschland. Dort konnte man dem 3D Druck nicht viel abgewinnen. Die Kollegen in den Werkstätten hatten alle diese Plastikspielereien im Kopf, die man sich gemeinhin unter 3D Druck vorstellt, meinte Stefanie Brickwede. Gemeinsam mit den Werkstattteams vor Ort wurde überlegt, unter welchen Kriterien 3D Druck Sinn macht. Neben der Größe, der Komplexität und dem Material ist beispielsweise die Anzahl der Teile ein wichtiges Kriterium. Was Brickwede gleich klarstellte, ist, dass wenn man große Mengen hat und viel machen will, 3D Druck gleich vergessen könne.

Das erscheint logisch: Viel zu teuer, wenn man die reinen Produktionskosten mit herkömmlichen Herstellungsverfahren vergleicht. Aber: Wenn man nur wenige Teile hat und eventuell erst Werkzeuge fertigen müsste, um sie herzustellen – dann macht 3D Druck plötzlich Sinn. Der Clou: Man kann völlig werkzeugfrei loslegen. Das Hauptkriterium bei der Bahn für 3D Druck aber ist vor allem die Verfügbarkeit. Besonders wenn ältere Züge, die seit über 40 Jahren in Betrieb sind, Ersatzteile benötigen, hat sich der 3D Druck als effiziente, schnelle Lösung etabliert. Ein Beispiel: In alten Reisezugwagen hat die Bahn die Mantelhaken in den Abteilen im 3D Druckverfahren in kleiner Menge produzieren lassen. Seither sind weitere Ersatzteile hinzugekommen, zum Beispiel am Motorblock von IC-Zügen, Kopfstützen und die sogenannte Sandtreppe, die reibungsloses Anfahren der Züge gewährleistet.

Im Jahr 2015 wurden zehn Teile im 3D Druck hergestellt, ein Jahr später waren es schon 1000 – und im kommenden Jahr rechnet Stefanie Brickwede mit rund 15.000 3D-gedruckten Teilen. Verwendet werden unterschiedlichste Materialien: Kunststoff, Titan, Eisen, Aluminium und mehr. Um diesen Prozess voranzubringen setzt die Bahn auf heterogene Teams. Visionäre Ideengeber treffen auf rationale Ingenieure. Auch das ist Change Management: Raus aus der Komfort-Zone. Es gibt Projektpaten statt einen vorstandsnahen Lenkungskreis und agiles Arbeiten statt starre Strukturen.

Bei all den 3D Druckteilen, die die Deutsche Bahn mittlerweile in ihre Ersatzteillogistik integriert hat, verfügt sie über keinen einzigen eigenen 3D Drucker. Die Ausführung erfolgt komplett über Dienstleister. In diesem Zusammenhang wurde im vergangenen Jahr das Netzwerk Mobility goes Additive gegründet, in dem mittlerweile 50 Mitgliedsunternehmen aus der gesamten Wertschöpfungskette organisiert sind. Das Netzwerk hat sich neben der Zusammenarbeit vor allem auch der Zertifizierung und vor allem der Aus- und Weiterbildung neuer Fachkräfte verschrieben.

Die Frage nach dem 3D Druck für das eigene Unternehmen ist neben dem Anwendungsfall also vor allem eine organisationale Frage: Welche Bauteile eignen sich für das Verfahren. Und: Welche Leistungen kann oder muss ich selbst erbringen? Und speziell für Dienstleister: Mit welchen Verfahren und Lösungen kann ich neue Geschäftsmodelle entwickeln? Das dürfte der spannende Markt der nächsten Jahre werden.

Autor: Michael Braun, Kundendienst-Verband Deutschland e.V.

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