Serviceleistungen: Digital ist wichtiger als Tradition und Marke

// Michael Braun

Zwar gelten viele Deutsche international als Datenmuffel - doch einer aktuellen Online-Umfrage zur Folge haben vier von zehn Bundesbürger (bei den 18 bis 34-jährigen sind es sogar 51 Prozent) keine Scheu davor, private Daten an Onlinedienste zu geben, wenn sie dadurch von einem herausragenden Produkt profitieren und so einen großen individuellen Nutzen erhalten. Bei der Wahl dieser Services zählen für 79 Prozent der Deutschen nicht unbedingt Market und Tradition, sondern eher Funktionalität, intuitive Bedienung und nahtlose Einbindung in ihr digitales Leben. Das sind zentrale Ergebnisse einer Online-Umfrage der international tätigen Venture-Capital-Gesellschaft e.ventures zum Thema "Digitales Leben: Lieber eine coole App als eine traditionelle Marke?".

Das Smartphone wird dabei immer mehr zum zentralen Steuerinstrument des digitalen Lebens. So wollen 44 Prozent der Bundesbürger (bei den 18 bis 34-jährigen sind es 57 Prozent) ihre Heimelektronik wie Licht oder Musik lieber über ihr Handy, Siri oder Alexa steuern, als sich mühsam in die unterschiedlichen Anwendungen der Hersteller einzuarbeiten. Und auch das Vertrauen in die Anbieter aus der digitalen Welt ist groß: 56 Prozent der Deutschen trauen eher dem kostenlosen Dienst Google Maps zu, sie sicher ans Ziel zu bringen, als dem teuren Navigationssystem in ihrem Auto.

"Je weiter sich das Smartphone in das Leben der Menschen hineindrängt, um so mehr Dienstleistungen werden über das Handy gesteuert - etwa der Medienkonsum, die Musikindustrie, Food Delivery, Bankdienstleistungen oder das Shoppen", beschreibt Christian Leybold, Co-Gründer und Geschäftsführer von e.ventures, die Entwicklung. Für einen traditionellen deutschen Mittelständler habe der Trend enorme Auswirkungen, sagt der Venture-Capitalist: "Die neuen Anbieter schieben sich zwischen ihn und dem Kunden. Die bisherigen Hersteller der Produkte werden von der neuen Marke zum Lieferanten degradiert. Der digitale Wettbewerber und seine Marke haben den direkten Kundenzugang."

Für viele traditionell aufgebaute Firmen könnte das zu einem Problem werden. Da sie ihre Produkte häufig über Vertriebsfirmen verkaufen, kennen sie ihre Kunden kaum, wissen nicht wo ihre Hardware überall steht. Wer diese allerdings mit Software verbindet, weiß genau über die Kunden Bescheid. Die neuen Wettbewerber haben daher einen dramatischen Datenvorsprung, meint Leybold: "Eine Marke, die über hundert Jahre erfolgreich aufgebaut worden ist, droht so innerhalb weniger Jahre abgelöst zu werden."

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