Studie: Digitalisierung bedroht in Österreich weit weniger Jobs als befürchtet

// Michael Braun

Die fortschreitende Digitalisierung der Wirtschaft und Arbeitswelt gefährdet mittelfristig rund neun Prozent aller Jobs (360.000 Stellen) in Österreich. Das sind weit weniger Stellen als allgemein befürchtet. Auf Hilfsarbeiter und Handwerker entfallen gemeinsam über 50 Prozent der bedrohten Jobs, geht aus einer Studie des Instituts für Höhere Studien (IHS) hervor.

Die positive Auswirkungen der Digitalisierung waren zudem kein Thema der Studie. Heißt: "Per Saldo könnte es sogar positive Effekte auf den Arbeitsmarkt haben", sagt IHS-Chef Martin Kocher. Die Auswirkungen seien "weniger dramatisch als kolportiert." Die Einführung des PC habe im Saldo auch zu mehr Jobs geführt, erklärt Kocher. Aber auch nicht automatisierbare Jobs würden sich in den nächsten fünf bis 15 Jahren maßgeblich verändern, zum Beispiel gebe es immer mehr digitale Diagnoseunterstützung für Ärzte.

Das IHS hat im Auftrag des Sozialministeriums die Effekte der Digitalisierung, Automatisierung und Industrie 4.0 auf den Arbeitsmarkt und die einzelnen Berufsgruppen untersucht. Die Ökonomen des deutschen ZEW-Instituts kamen Mitte 2016 zu dem Schluss, dass Österreich und Deutschland im Vergleich von 21 OECD-Staaten am stärksten von der fortschreitenden Digitalisierung betroffen sein werden. Laut ZEW sind 12 Prozent der Jobs in Österreich und Deutschland durch weitere Automatisierung gefährdet, in Südkorea sind es hingegen nur 6 Prozent. Österreich ist laut OECD-Studie stark betroffen, weil zahlreiche niedrig und mittel qualifizierte Arbeitskräfte noch leicht zu automatisierende Tätigkeiten durchführen.

In Österreich lag die Arbeitslosenquote von Pflichtschulabsolventen zuletzt bereits bei 28 Prozent. Durch die Automatisierung wird der Druck auf Arbeitskräfte mit geringer Ausbildung weiter steigen. IHS-Chef Kocher fordert daher "ein die Digitalisierung antizipierendes Bildungssystem". Laut IHS-Schätzung sind 30 Prozent der Hilfsarbeiterkräfte-Jobs von Automatisierung bedroht, 19 Prozent der Handwerker, 18 Prozent der Maschinenbediener und 11 Prozent der Dienstleistungsberufe. Eine geringe Automatisierungswahrscheinlichkeit gibt es bei Führungskräften, akademischen Berufen und Technikern. "Entwarnung kann vor allem für Berufe, in denen Kreativität, soziale Intelligenz und Flexibilität gefragt sind, gegeben werden. Diese Tätigkeiten sind so gut wie gar nicht durch die Digitalisierung betroffen", erklärt Studien-Mitautorin Gerlinde Titelbach.

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