News  03.04.2019 - 11:09


Industrie 4.0: Digitale Produktentwicklung verschafft Industrieunternehmen klare Wettbewerbsvorteile

Eine neue PwC-Studie zeigt: 41 Prozent der Industrieunternehmen nutzen Datenanalyse und Künstliche Intelligenz in der Produktentwicklung. 19 Prozent Effizienzsteigerung werden in den nächsten fünf Jahren erwartet. Digitale Spitzenreiter setzen konsequent auf Kundenzentrierung und Personalisierung und erzielen bis zu 30 Prozent ihres Gesamtumsatzes mit digitalen Produkten und Services.

Digital führende Industrieunternehmen nutzen Daten und Künstliche Intelligenz, um die Bedürfnisse ihrer Kunden besser zu verstehen und maßgeschneiderte digitale Produkte und Services zu entwickeln. Dies ist eines der Kernergebnisse der Studie "Digital Product Development 2025: Agile, Collaborative, AI Driven and Customer Centric" der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC, für die 200 Entscheidungsträger aus deutschen und skandinavischen Industrieunternehmen unterschiedlicher Branchen befragt sowie Tiefeninterviews mit Experten aus führenden Unternehmen durchgeführt wurden.

Von Investitionen in die digitale Produktentwicklung erwarten sich die befragten Unternehmen Effizienzsteigerungen von durchschnittlich 19 Prozent über die nächsten fünf Jahre. Zudem sollen die Produkteinführungszeiten - ebenfalls im Durchschnitt - um 17 Prozent und die Produktionskosten um 13 Prozent zurückgehen. Digital führende Unternehmen - die sogenannten "Digital Champions", zu ihnen gehören etwa zehn Prozent der Befragten - investieren dabei durchschnittlich zwar mehr in die digitale Produktentwicklung als ihre Mitbewerber. Doch die Studie zeigt auch: Hohe Entwicklungsausgaben sind keine zwingende Voraussetzung für Erfolg.

"Die Beschleunigung der digitalen Produktentwicklung kostet Unternehmen nicht unbedingt mehr Geld. Es kommt vielmehr darauf an, die richtigen Tools und Prozesse zu identifizieren und Ressourcen strategisch klug einzusetzen", sagt Reinhard Geissbauer, Partner bei PwC Deutschland und Leiter der Studie.

Tatsächlich erreicht die Mehrheit der digitalen Vorreiter überdurchschnittliche Resultate, obwohl sie weniger als vier Prozent ihrer Umsätze für Forschung und Entwicklung aufwendet. Zum Vergleich: Die 1000 Unternehmen mit den höchsten F&E-Budgets weltweit investierten zuletzt 4,5 Prozent ihres Umsatzes in die Entwicklung neuer Produkte.

Gut vier von zehn der befragten Industrieunternehmen (41 Prozent) nutzen Datenanalysen und Künstliche Intelligenz (KI) bereits für die digitale Produktentwicklung - zumindest teilweise. Eine Verbesserung der Kundenfreundlichkeit steht bei ihnen bislang allerdings nicht im Zentrum. Anders bei den digitalen Vorreitern: Drei Viertel (73 Prozent) derjenigen, die Datenanalysen und Künstliche Intelligenz bereits verwenden, nutzen sie, um Produkte und Services zu verbessern, etwa indem sie Nutzungs-, Qualitäts- und Servicedaten sowie Informationen zum Verschleiß von Produkten auswerten. Auf dieser Basis entwickeln sie maßgeschneiderte Produkte, deren Anteil sie in den nächsten fünf Jahren um 26 Prozent steigern wollen - mehr als doppelt so stark wie der Durchschnitt. "Die Produkt- und Innovationszyklen haben sich in den letzten Jahren über fast alle Branchen dramatisch beschleunigt", erklärt PwC-Experte Geissbauer. "Wer in dieser Welt wettbewerbsfähig bleiben will, muss die Individualisierbarkeit der eigenen Produkte konsequent vorantreiben." Die Herausforderung für Industrieunternehmen bestehe dabei vor allem darin, maßgeschneiderte Lösungen bei optimaler Kosteneffizienz zu erreichen. "Die digitalen Vorreiter denken das Thema Personalisierbarkeit daher schon früh im Entwicklungsprozess mit", ergänzt Jochen-Thomas Morr, Experte für digitale Produktentwicklung bei PwC Deutschland. Das wirke sich auch umsatzseitig aus, so Morr weiter. "Die absoluten Spitzenreiter in unserer Studie erzielen heute bereits 30 Prozent ihres Umsatzes mit digitalen Produkten und Services."

Durch die wachsende Bedeutung von Daten in der Produktentwicklung steigt auch die Relevanz des Themas Cybersicherheit. Hier besteht laut der PwC-Studie bei den meisten der befragten Unternehmen noch großer Nachholbedarf: sieben von zehn (71 Prozent) setzen keine oder nicht ausreichend ausgereifte Prozesse zum Schutz vor Cyberrisiken in der Produktentwicklung ein. Auch in diesem Punkt sind die Digital Champions weiter: Mehr als die Hälfte von ihnen erklärt, dass IT-Sicherheitsmaßnahmen immerhin fester Bestandteil ihres Projektmanagements seien. Aber auch bei ihnen gibt es Nachholbedarf, gerade wenn es darum geht, Risiken nach einem klar definierten Risikoprofil zu unterteilen und zu priorisieren.

Die Studie zeigt auch, dass die meisten der befragten Unternehmen bereits Schritte zur digitalen Produktentwicklung unternommen haben: So arbeiten knapp zwei Drittel co-kreativ, jeweils etwa die Hälfte setzt Prozesssimulationen, digitale Prototypen und Tools zum Management des Produktportfolios ein. In den nächsten drei Jahren wollen die Unternehmen die Nutzung dieser Tools zudem weiter ausbauen, verstärkt in den Bereichen Datenanalysen und KI, Agile Entwicklungsmethoden, Social Listening sowie Digitale Zwillinge. Auch wenn die digitalen Champions beim Einsatz digitaler Tools heute führend sind, gibt es auch bei ihnen Verbesserungspotenzial. Denn: "Um ein wirklich integriertes digitales Ökosystem zu erreichen, müssen Unternehmen die vier Felder Kundenlösungen, Geschäftsbetrieb, Technologie und Mitarbeiter in den Blick nehmen", sagt Reinhard Geissbauer. "In Gänze hat dies noch keines der befragten Unternehmen erreicht."

Download der Studie hier

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