News  09.05.2019 - 14:55


ZEW-Studie Hidden Champions: Effizient bei Innovationen, stark in der Mitarbeiterentwicklung

Hidden Champions investieren nicht mehr Geld in Innovationen als ähnlich große Unternehmen in denselben Branchen. Sie sind aber erfolgreicher am Markt mit ihren Innovationen - weil sie ihre Innovationsprozesse offen gestalten, ohne die Entwicklung aus der Hand zu geben. Gleichzeitig investieren sie deutlich mehr in die Personalentwicklung.

Hidden Champions investieren nicht mehr Geld in Innovationen als ähnlich große Unternehmen in denselben Branchen. Sie sind aber erfolgreicher am Markt mit ihren Innovationen - weil sie ihre Innovationsprozesse offen gestalten, ohne die Entwicklung aus der Hand zu geben. Gleichzeitig investieren sie deutlich mehr in die Personalentwicklung. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie des ZEW - Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim.

Ein wichtiges Ergebnis: Hidden Champions zeichnen sich durch die Spezialisierung auf eng abgegrenzte Marktnischen, eine starke Exportorientierung und einen hohen Weltmarktanteil aus. Wie die Studie zeigt, sind sie mit dieser Strategie im Verhältnis zu einer Vergleichsgruppe sowohl deutlich produktiver als auch wesentlich profitabler. Die Vergleichsgruppe wurde über einen so genannten "Matching"-Ansatz gebildet. Dabei wurde jedem Hidden Champions ein (fast) gleich großes und gleich altes Unternehmen aus derselben Branche gegenübergestellt.

Ausschlaggebend für den Erfolg ist den Autoren zufolge, dass Hidden Champions eine sehr enge Kundenbindung pflegen und innovative Technologien auf die spezifischen Kundenbedürfnisse zuschneiden. Zu diesem Zweck wiederum investieren Hidden Champions nicht nur strategisch in Forschung und Entwicklung, sondern auch gezielt in die Anwerbung und interne Weiterbildung von Fachpersonal. So ist der Anteil der Beschäftigten mit einem Hochschulabschluss im Mittel um fünf Prozentpunkte höher. Die Weiterbildungsaufwendungen je Mitarbeiter/in und Jahr liegen mit 610 Euro um 140 Euro höher als in der Vergleichsgruppe.

"Die Kombination aus Premium-Technologie und kundenspezifische Lösungen macht diese Unternehmen zu Champions, das heißt zu Weltmarktführern, die auf Nischenmärkten aktiv und daher einer breiteren Öffentlichkeit eher unbekannt sind", erklärt Dr. Christian Rammer, stellvertretender Leiter des ZEW-Forschungsbereichs "Innovationsökonomie und Unternehmensdynamik". So erzielen Hidden Champions im Durchschnitt um zwei Prozent höhere Gewinnspannen und eine um 29 Prozent höhere Produktivität als konkurrierende kleine und mittlere Unternehmen. "In Nischenmärkten bewegen sich Hidden Champions natürlich in einem komfortablen Umfeld, in dem sie weniger Preiswettbewerb und weniger Neueinsteigern ausgesetzt sind. Allerdings rührt ihr Wettbewerbsvorteil auch daher, dass Hidden Champions ihre Ressourcen optimal bündeln und einsetzen. Das gilt insbesondere für die Personalentwicklung", sagt Christian Rammer.

Die Anzahl der Hidden Champions in Deutschland belief sich der Studie zufolge im Jahr 2016 auf rund 1.800 Unternehmen. Sie beschäftigen etwa 490.000 Mitarbeiter/innen bei einem Gesamtumsatz von zirka 285 Milliarden Euro. Für den zehnjährigen Untersuchungszeitraum (2006 bis 2016) stellten die Wissenschaftler fest, dass durchschnittlich 0,6 Prozent der Unternehmen beziehungsweise 1.637 Unternehmen die Kriterien für Hidden Champions erfüllten.

Zu diesen Kriterien zählen ein hoher Marktanteil, weltweite Marktausrichtung bei einem Exportanteil von mehr als 50 Prozent ins außereuropäische Ausland, die Fokussierung auf einen Nischenmarkt, eine geringe Unternehmensgröße mit unter 10.000 Beschäftigten sowie ein deutliches Wachstum von mindestens zehn Prozent über dem Industriedurchschnitt in fünf aufeinanderfolgenden Jahren. Die meisten Hidden Champions finden sich in Deutschland in der Maschinenbaubranche (mehr als 400), gefolgt von der Elektroindustrie mit rund 200 Unternehmen.

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